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Zahnarzt nicht zur Aufhebung von Bissmodellen für Nachbehandlung verpflichtet

Mit Urteil vom 19.11.14 (Az.: 5 U 166/12) stellte das Oberlandesgericht Köln fest, dass der Verlust eines Bissmodells keine Verletzung der Befundsicherungs- und Dokumentationspflicht darstellt. Ein Zahnarzt ist insoweit nicht zur Aufhebung von Bissmodellen für eine weitere Behandlung durch ihn oder Dritte verpflichtet.
Die Klägerin befand sich vom Jahr 2003 bis zum Februar 2004 bei dem inzwischen verstorbenen Ehemann der Beklagten in Behandlung. Ende 2003 fertigte der Ehemann der Beklagten nach der Herstellung von Bissmodellen Zahnersatz für verschiedene Zähne der Klägerin an. Anfang 2004 wurde der Zahnersatz nochmals erneuert und eingegliedert. Danach klagte die Patientin über Schmerzen beim Aufbeißen und begab sich zunächst in Behandlung des Dr. I und des österreichischen Zahnarztes Dr. E. Letzterer fertigte zur Schmerzlinderung eine Funktionsschiene für die Klägerin an. Folgend ließ die Klägerin ein Gutachten durch Dr. H erstellen und der vom Ehemann der Beklagten eingesetzte Zahnersatz wurde durch Dr. I entfernt und ein Langzeitprovisorium eingesetzt. Im weiteren Verlauf bis 2009 wurde die Klägerin von drei weiteren Zahnärzten behandelt. Einer dieser Zahnärzte erbat ein vom Ehemann der Beklagten gefertigtes Bissmodell, um die Bissrekonstruktion zu erleichtern. Dies konnte jedoch nicht herausgegeben werden, da es in der Zwischenzeit verloren gegangen war. Noch im Verlauf der weiteren Behandlung durch die anderen Zahnärzte erhob die Klägerin Klage und forderte Schadenersatz und Schmerzensgeld aufgrund einer fehlerhaften Behandlung durch den Ehemann der Beklagten und das Verlieren des Bissmodells. Begründend führte sie an, dass die Bissrekonstruktion ohne das Bissmodell sehr aufwendig gewesen sei und eine mit Schmerzen und Beeinträchtigungen verbundene Nachbehandlung bis Ende 2011 erfolgen musste. Das Landgericht Aachen wies die Klage wegen Verjährung ab. Daraufhin legte die Klägerin Berufung ein.
Das OLG Köln wies die Berufung als unbegründet ab. Nach den Ergebnissen der Beweisaufnahme sei ein Behandlungsfehler des Ehemanns der Beklagten nicht feststellbar. Der zum Verfahren hinzugezogene medizinische Sachverständige habe nachvollziehbar erörtert, dass die im Gutachten des Dr. H festgestellte Distanz von 1,5 mm zwischen den Molaren auch durch eine äußerst unsorgfältige Behandlung nicht habe entstehen können. Viel wahrscheinlicher lasse sich die Distanz auf das Einsetzen der Schiene zurückführen. Bezüglich der Herausgabe der Bissmodelle kam das Gericht zu dem Schluss, dass sich durch den Verlust keine Beweiserleichterung für die Klägerin ergebe. Eine Verletzung der Befundsicherungs- und Dokumentationspflicht liege insoweit nicht vor, da der Ehemann der Beklagten nicht verpflichtet gewesen sei, die Modelle für eine ordnungsgemäße Nachbehandlung durch ihn oder Dritte aufzubewahren. Laut medizinischem Sachverständigen sei die räumliche Zuordnung zwischen Ober- und Unterkiefer weder einfacher noch schwieriger mit älteren Bissmodellen, da eine komplette Neuzuordnung zu erfolgen habe. Die vom Ehemann der Beklagten hergestellten Bissmodelle hätten dem Nachbehandler insoweit nicht ernsthaft nutzen können.

12.06.2015
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RA Jens-Peter Jahn
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